Der Turm der Frauen

(Kurzgeschichte)

 

Der Turm erhebt sich düster, gigantisch und schier unendlich in den Himmel. Seine massiven Steinwände sind rau und kalt. In der Dunkelheit eines unbekannten Raumes erwacht ein Mann. Sein Kopf schmerzt, seine Gedanken sind verschwommen und sein Gedächtnis gleicht ein trüber Nebel. Wie er in diesen Turm gekommen ist, das weiß er nicht. Sein Name, seine Vergangenheit – einfach alles ist ihm fremd. Nur ein Gedanke drängt sich ihm auf: Er muss so schnell wie möglich diesen Turm verlassen.

Er taumelt durch die Dunkelheit. Seine Finger ertasten die kalten Steine der Turmwände. Plötzlich bemerkt er eine Tür. Zögernd öffnet er sie und tritt in einen schmalen Korridor, welcher von großen Kerzen beleuchtet wird. Ein unheilvolles Gefühl beschleicht ihn, doch er hat keine andere Wahl, als den Korridor zu folgen.

Nach einer Weile bemerkt er eine Gestalt in der Ferne. Eine Frau, ihre Haut ist blass, ihre Augen funkeln unheimlich. Sie lächelt ihn verführerisch an. "Wer bist du?", fragt er, doch sie antwortet nicht. Stattdessen nähert sie sich ihm, ihre Bewegungen sind fließend und elegant. Ihre Hand streichelt über sein Gesicht und anschließend seinen Schritt. Sie greift ihn in die Hose und befriedigt ihn mit der Hand. Danach leckt sie ihre Finger sauber und spricht fast schon flüsternd: "Die Frage ist nicht, warum irgendwer hier ist, sondern warum du hierbleiben möchtest. Warum bettelst du so um Aufmerksamkeit? Hast du es tatsächlich nötig?" Danach dreht sie sich um und geht ein paar Schritte, bevor sie wie ein Traum allmählich verschwindet.

Verwirrt und verunsichert setzt er seinen Weg fort. Er begegnet einer weiteren Frau. Auch sie ist sehr verführerisch angezogen. Sie beugt sich vor und streckt ihm ihr Hinterteil willig entgegen. Sie blickt über ihre Schulter zu ihm herüber. Er erkennt, dass ihre Augen zugenäht und mit getrocknetem Blut verkrustet sind. "Ich bin blind vor Liebe, aber nicht blind vor Lust", sagt sie lasziv und fordernd zugleich. Er kann nicht widerstehen und dringt von hinten in ihr ein. Nachdem der Akt vollzogen ist, fühlt er sich kraftlos sowie fremd im eigenen Körper.

"Es geht schlussendlich immer nur um Sex, um die eigene Befriedigung. Befreie dich von der Illusion, dass du Macht über deine Triebe hast. Deine Wollust steuern die anderen. Erst dann, findest du hier raus. Doch du wirst danach nie mehr derselbe Mensch sein", flüstert die Frau und verschwindet spurlos im Nichts. Nachdem er sich erholt hat und wieder zu Kräften gekommen ist, setzt er seinen Weg fort. Der Turm scheint endlos, Treppen winden sich in jegliche Richtung, Korridore verzweigen sich und immer wieder hört er flüsternde Frauenstimmen oder lautes Frauengestöhne.

Schließlich erreicht er einen großen Raum, die Luft schwer und stickig. In der Mitte des Raumes steht eine Frau. Ihre Figur ist perfekt, ihre Haut glatt, doch ihr Gesicht ist eine leere Fläche. Ohne Augen, ohne Mund, ohne Ausdruck. Sie trägt einen Hauch von Nichts. Die Brüste, ihr Intimbereich und der Po schimmern durch ihr durchsichtiges Kleidungsstück. Sie strahlt eine unvergleichliche Verführung sowie Lust aus. Er ist ihr sofort verfallen.

Sie bewegt sich auf ihn zu. Ihre Berührungen sind sanft und doch fordernd. Ohne Zeit zu verlieren, führt sie ihn zu einem Bett, welches sich in der Mitte des Raumes befindet. Der Mann ist wie betäubt, unfähig zu widerstehen, als sie ihn mit einer Leidenschaft umschließt, die seine Sinne überflutet. Es kommt zum Akt der puren Lust und der ungebremsten Ektase. In diesem Moment scheint die Zeit stillzustehen. Der Turm, die Frauen, die ganzen Verführungen – alles verschwindet in einem Meer aus Begierde. Doch als der Akt endet und abebbt, bleibt nur eine innere Leere zurück.

*

Er erwacht. Stark geschwächt vernimmt er eine verzerrte Frauenstimme: "Du hast verloren. Du bist den Frauen hier und ihren Manipulationen ausgeliefert. Und du hast es nie bemerkt. Höre mir zu. Ich werde es dir erklären, du Versager: Emotionale Erpressung ist eine der heimtückischen Formen der Manipulation. Dabei werden Schuldgefühle, Angst und Verpflichtungen eingesetzt, um jemanden zu kontrollieren. Zärtlichkeit verweigern bedeutet, dass eine Frau einen Mann absichtlich Liebe, Aufmerksamkeit oder körperliche Intimität verweigert, um ihn zu bestrafen oder ihren Willen durchzusetzen. Indem sie ihre Zuneigung verweigert, erzeugt sie ein Gefühl emotionaler Entbehrung, das den Mann nachgiebiger macht. Gaslighting ist eine psychologische Taktik, bei der ein weiblicher Manipulator den Mann an seinen eigenen Wahrnehmungen und der Realität zweifeln lässt. Das Opfer zu spielen ist eine Manipulationstaktik, bei der sich eine Frau als hilflos oder ungerecht behandelt darstellt, um Mitgefühl und Kontrolle zu gewinnen. Die stille Behandlung beinhaltet die Weigerung der Frau, mit dem Mann zu kommunizieren oder seine Anwesenheit als eine Form der Bestrafung anzuerkennen. Triangulation ist eine Taktik, bei der eine Frau eine dritte Person in Ihre Beziehung einbringt, um Eifersucht, Konkurrenzkampf oder Unsicherheit zu erzeugen. Verstehst du jetzt endlich, du verdammter Schwächling? Du bist kontrolliert worden. Deine Gedanken, Gefühle und Handlungen wurden gelenkt. Du hattest nie die Kontrolle." Mit schwacher Stimme fragt der Mann: "Werde ich jemals entkommen? Oder bin ich fortan für immer im Bann des Turmes und seiner verführerischen Bewohner gefangen?" Nach kurzer Zeit antwortet die verzerrte Frauenstimme: "Die Antworten bleiben verborgen, wie die Wahrheit in der Lüge, wie die Lust in der Enthaltung oder das Sterben bei der Geburt." Danach verstummt die verzerrte Frauenstimme und der Mann bleibt alleine zurück.

 

ENDE